Colloquium | Threatened linguistic varieties and minority languages in Italy and the Balkans

Colloquium at the Villa Vigoni

The Institute of Slavistics and Caucasus Studies at the Friedrich Schiller University (Jena, Germany) and the Department of Humanistic Studies at the University of Salento (Lecce, Italy) organize a colloquium and close reading with the subject

Preservation of European Linguistic Diversity: Threatened linguistic varieties and minority languages in Italy and the Balkans. Sustainability and language policy
Erhaltung der europäischen Sprachenvielfalt: Bedrohte Varietäten und Minderheitensprachen in Italien und auf dem Balkan. Nachhaltigkeit und Sprachpolitik
Conservazione della diversità linguistica europea: varietà minacciate e lingue minoritarie in Italia e nei Balcani. Sostenibilità e politica linguistica

5th March – 8th March 2018

Financiation and location: 

Villa Vigoni
Centro Italo-Tedesco per l’Eccellenza Europea
Deutsch-Italienisches Zentrum für Europäische Exzellenz
Via Giulio Vigoni 1
I-22017 Loveno di Menaggio (CO)

Die Tagung möchte durch Diskussionsrunden zur Förderung der Untersuchung bedrohter Sprachen in Italien und Südosteuropa und zur Vernetzung diesbezüglicher deutscher und italienischer Forschungen beitragen. Die 21 Teilnehmer richten ihre Arbeit aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz des Untersuchungsgegenstandes inter- und transdisziplinär aus. Durch die Einbeziehung von KollegInnen mehrerer Universitäten in Deutschland und Italien werden Ergebnisse zahlreicher Forschungsinstitutionen integriert und mit Nachwuchswissenschaftlern gemeinsame Fragestellungen und konkrete Zielsetzungen erarbeitet. Die Beschäftigung mit sprachlichen Minderheiten wurde insbesondere in Italien und auf dem Balkan lange von der wissenschaftlichen Diskussion ferngehalten. Italien befindet sich nicht nur in einer Grenzlage zwischen politischen und administrativen, sondern auch zwischen unterschiedlichen historischen Realitäten. Die bewegte Geopolitik des Balkans betrifft Italien auch indirekt die Minderheiten Nordostitaliens (Slowenen, Kroaten) und Süditaliens (Albaner, Griechen, Molise-Slawen). Der erforderliche Dialog mit der gegenüberliegenden Adriaseite ist bisher ausgeblieben und kann durch ökonomische Krisen und Wiederbelebung nationalistischer Tendenzen nur schwer vorangetrieben werden

La tematica delle minoranze linguistiche è stata a lungo un tabù nell’ambito della discussione scientifica in Italia e nei Balcani, anche se la situazione geopolitica richiedeva un dialogo da entrambe le sponde dell’Adriatico. Attraverso questo progetto si intende quindi sostenere lo studio delle lingue „in pericolo“ e stimolare la creazione di una rete di ricerche da parte italiana e tedesca. A questo scopo venti esperti hanno accettato di discutere i risultati delle loro ricerche e, insieme a giovani studiosi, di elaborare concreti obiettivi per lo studio delle minoranze linguistiche a rischio di estinzione.

Programm

Montag, 05.03.2018

Anreise

 

Dienstag, 06.03.2018

  • 9:00 Welcome
  • 9:15-13:15 Round table A (languages: German, Italian): Minderheitensprachpolitik in Europa: Sprachrevitalisierung und zukünftige Perspektiven (Gesprächsleiter: Walter Breu)
    • 9:15 - Können Sprachen sterben? (Impulsgeber: Th. Kahl, Uni Jena): Der Beitrag diskutiert, welche Varietäten in Italien und Südosteuropa besonders bedroht sind. Er will bisherige Strategien zu ihrer Untersuchung und ihrem Schutz kritisieren und neue vorstellen. Dabei werden Schwerpunkte auf zwischen- und innersprachliche Variation, Sprachwandel, Sprachtransfer und weitere Phänomene schwindender Sprachen und Varietäten gelegt.
    • 10:00 - Zur Theorie von Sprachtod (Impulsgeber: D. Matić, Uni Graz): 
      Der Beitrag versucht, Begrifflichkeiten zu klären, indem er das Phänomen des Sprachtods in zwei Komponenten, die soziolinguistische und die strukturelle, zerlegt. Bei der Schilderung der strukturellen Seite von Sprachtod wird gezeigt, dass Sprachtod sich in seiner Auswirkung auf die Struktur der Sprache von den durch Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit verursachten Veränderungen klar unterscheidet.
    • 10:45 - Die historischen sprachlichen Minderheiten in Italien zwanzig Jahre nach dem Schutzgesetz (Impulsgeber: F. Toso, Univ. di Sassari): 
      Der Beitrag diskutiert Probleme des Minderheitenkonzepts in Italien in Bezug auf ihren Schutz (6. Verfassungsartikel). Es werden dabei sowohl die positiven Auswirkungen als auch die Kritik an der Anwendung dieses Gesetzes dargelegt. Eine Revision wird seit langem von Sprachwissenschaftlern und Juristen gefordert.
  • 11:30 Coffee break
    • 11:45 - Die Förderung der friaulischen Sprache im Öffentlichen und Privaten (Impulsgeber: Franco Finco):
      In Friaul ist die Sprachfrage seit jeher emotional geladen. Der Beginn effektiver Sprachpolitik setzt in den 1990er Jahre ein, als Schutzmaßnahmen es ermöglichten, Programme für den Gebrauch der Sprache zu konsolidieren. Der Beitrag nutz die Erfahrungen privater und öffentlicher Institutionen der Sprachpolitik, um die Überlegungen zur Integration voranzutreiben.
    • 12:30 - Bilanz zum Schutz der Sprachenvielfalt in Kroatien (Impulsgeber: Prof. Dr. Lucija Šimičić, Sveučilište u Zadru): 
      In diesem Beitrag wird die Praxis des Schutzes der Sprachenvielfalt Kroatiens analysiert. Dabei sollen nicht positive Aspekte, sondern auch Probleme besprochen werden, die sich aus den Besonderheiten des lokalen Kontextes ergeben. Diskutiert werden das Verfassungskonzept der "nationalen Minderheit" und seine entsprechenden Auswirkungen auf sprachlicher Ebene.
  • 13:15 Lunch
  • 15:00-19:00 Uhr Round table B (language: German, English): Linguistic landscapes (Gesprächsleiter: Th. Kahl)
    • 15:00 - Überlegungen zu Funktion und Typologie mehrsprachiger Beschilderung in der Südtiroler Sprachlandschaft (Impulsgeberin: G. Hempel, Univ. del Salento):
      Die mehrsprachige Beschilderung Südtirols kann als Ausdruck einer paritätischen Sprachpolitik mit überwiegend symbolischer Funktion aufgefasst werden. Bei genauerer Betrachtung mehrsprachiger Schilder zeigt sich eine Parallelität und Trennung zwischen Deutsch und Italienisch.
    • 15:45 - Sprachlandschaft und Toponomastik bei den Arbëresh Apuliens (Impulsgeber: M. Genesin, Univ. del Salento, und J. Matzinger, Wien):
      Mit Inkrafttreten des nationalen Gesetzes zum Schutz von Minderheitensprachen wurden in den Orten albanischer Herkunft verschiedene Initiativen auf den Weg gebracht, um Arbëreshë-Varietäten Apuliens zu beleben. Da es sich bei manchen Projekten um eine künstliche Zweisprachigkeit handelt, soll diskutiert werden, ob die dazu dienen, das Interesse an der alten Sprache zu fördern oder ob es Initiativen ohne Rückwirkungen sind.
  • 16:30 Coffee break
    • 16:45 - Marketplace and Linguistic Landscape: Diachrone Betrachtung am Beispiel von Novi Sad (Impulsgeberin: A. Salamurović, Uni Jena)
      Der Beitrag stellt die Präsenz verschiedener Sprachen und Schriften im Diskursfeld des marketplace in diachroner Perspektive am Beispiel von Novi Sad zur Diskussion. Es werden daher der politisch proklamierte Multikulturalismus und die Mehrsprachigkeit der Region kritisch und in diachroner Betrachtungsweise diskutiert.
    • 17:30 - Sprachliche und soziale Dynamiken des Verlusts und Erhalts südslawischer Mundarten in Albanien und der Türkei (Impulsgeber: Chr. Giesel, Jena):
      Im ersten Teil der Darlegungen erfolgt eine kurze geographisch-demographische, dialektologische und ethnographische Bestandsaufnahme slawophoner Gruppen in der Türkei und in Albanien. Der zweite Teil befasst sich in Form von selektiven Fallstudien mit Erscheinungen des Verlusts und Erhalts der Mundarten der muslimischen bzw. bosniakischen Sprecher štokavischer Dialekte (Serbokroatisch / Serbisch / Bosn[iak]isch / Montenegrinisch), die aus der Region des serbischen und montenegrinischen Sandžak stammen und überwiegend in den 1920ern sowie 1950er bis 1960er Jahren aus verschiedenen Gründen in die Türkei und nach Albanien auswanderten.
    • 18:15 - Prof. Dr. Thede Kahl (Jena): New initiatives for documentation of endangered languages at the Austrian Academy of Sciences
  • 19:00 Discussion, results
  • 19:30 Dinner

 

Mittwoch, 07.03.2018

  • 09:00-13:00 Round table C (language: English): Wie "überleben" Minderheitensprachen? Gesprächsleiter: E. Prifti)
    • 09:00 - What remained of Byzantine culture in the South of Salento? (Impulsgeberin: Dr. L. Rizzo): 
      Dieser Diskussionsbeitrag möchte die Frage aufwerfen, welche Entwicklung die byzantinische Kultur in Süditalien gemacht hat und wie sie die griechischen Gemeinden teilweise bis heute beeinflusst.
    • 09:45 - Griko über den Tod hinaus (Impulsgeberin: M. Pellegrino, Brunel University): 
      In diesem Gesprächsbeitrag wird das Zusammenspiel von Sprachpolitik und Ideologie, die von EU, Italien und Griechenland gefördert werden, analysiert, v.a. in Bezug auf das "aussterbende" Griko. Dabei wird gezeigt, wie es trotz seiner begrenzten Nutzung seine performative und künstlerische Verwendung vermehrt hat, während es als Vermittler von Information ausgeblendet wurde.
    • 10:30 - Demografischer und sprachlicher Niedergang in vier Arbëresh-Dörfern (Impulsgeber: Maria Luisa Pignoli (Univ. Côte d’Azur, Nice)):
      Betrachtet man neuere Untersuchungen, wird deutlich, dass der demografische Rückgang stets getrennt von parallelen sprachlichen Entwicklungen untersucht wurde. Auf der Grundlage eines rezenten Bestandes sprachlicher Daten, der mit Demographie und Bewahrung der meisten repräsentativen kulturellen Merkmale verbunden werden kann, ist es möglich, ein genaues Bild des aktuellen Status in den untersuchten Arbëresh-Gemeinden zu zeichnen.
  • 11:15 Coffee break
    • 11:30 - Vom Sinn der Sprachkodifizierung: Mehrsprachigkeit und Mehrschriftigkeit bei Farscheroten, Pomaken und Pontiern (Impulsgeberin: A. Pascaru, Uni Jena):
      Trotz des Sprachprestiges von Nationalsprachen und nationaler Bestrebungen zur Minderung der Rolle einer Sprache entwickeln Sprachminderheiten eigene Initiativen "inselhafter" Sprachbewahrung, mit der sie eine Assimilation durch Standardsprachen zu verhindern suchen. Anerkennung und Sprachprestige erlauben viele Hypothesen bezüglich der Entwicklung von Sprachminderheiten und ihrer sprachlichen Identität. Hinzu kommt im vorliegenden Fall, dass letztere durch religiöse Unterschiedlichkeit begünstigt werden kann.
    • 12:15 - "Griechisch sein", "Türkisch sprechen" und "für Georgien sterben": Über die kommunikative Herstellung multipler Zugehörigkeiten in der griechischen Minderheit Georgiens  (Impulsgeberin: C. M. Höfler, Uni Frankfurt / Oder, Durham).
      Die griechische Minderheit Georgiens zeichnet sich durch ihre Heterogenität bezüglich ihrer Herkunftssprachen (Pontisches Griechisch oder Kaukasisches Urum) und ihre Mehrsprachigkeit aus. Während Religion und Abstammung häufig als für das "Griechisch sein" ausreichend dargestellt werden, werden die verwendeten Sprachen nichtsdestotrotz als Ressourcen für die Herstellung familiärer, lokaler, regionaler, nationaler und supranationaler genutzt. Der Beitrag spürt dieser Komplexität auf Grundlage leitfadengestützter Interviews nach und plädiert für eine ethnographische Herangehensweise.
  • 13:00 Lunch
  • 15:00-19:00 Round table D (language: English, Italienisch): Kontaktlinguistik und Mehrsprachigkeit als Phänomene in Minderheitensprachen (Gesprächsleiter: F. G. Giannachi)
    • 15:00 - Ortsnamen in der Grecía Salentina zwischen ethnischer Identität und Kontaktlinguistik (Impulsgeber: F. Giannachi, Univ. del Salento): 
      Die Erforschung der Toponomastik des griechischsprachigen Gebiets des Salento beruht auf Archivmaterialien und mündlicher Überlieferung. Aus diesen Quellen sind u.a. lokal auffallende lexikalische Formen zu ermitteln. Viele Benennungen beruhen auf Formen, die exklusiv in der griechischen Varietät Apuliens in Gebrauch sind.
    • 15:45 - Aspekt – Tempus – Modus als Variablen im totalen Sprachkontakt: Moliseslavisch und Italoalbanisch (Impulsgeber: W. Breu, Uni Konstanz): 
      Das Italienische und seine lokalen Varietäten dienen in erheblichem Ausmaß als Modell für die Umstrukturierung der Verbalsysteme der unter ihrem Einfluss stehenden Minderheitensprachen. Eine zentrale Rolle für die Argumentation wird die jeweilige Struktur der beiden Nehmersprachen als Grund für die unterschiedlichen Entwicklungen unter dem Einfluss derselben Gebersprache spielen.
    • 16.30 - Le categorie di Tempo, Modo e Aspetto nel periodo ipotetico in resiano (Impulsgeberin: M. Pila, Uni Konstanz): 
      Il contributo intende analizzare le forme verbali utilizzate nelle proposizioni ipotetiche in resiano, una microlingua di origine slava parlata in una valle del Friuli al confine con la Slovenia. A differenza della maggior parte delle lingue slave, le quali formalmente non distinguono il costrutto ipotetico potenziale da quello controfattuale, il resiano presenta questa possibilità: il contatto con le lingue romanze ha permesso al resiano di mantenere almeno in parte le forme dell’imperfetto.
  • 17:15 Coffee break
    • 17:30 Sprachkontakt als kommunikative Praxis: Zum Verständnis des Albanischen seitens der Arbëresh-Sprecher (Impulsgeberinnen: P. Leone und M. Genesin, Univ. del Salento): 
      Hier soll eine Einschätzung gegeben werden, ob es möglich ist, unter den Arbëresh-Sprechern perzeptive Kompetenzen und (geschriebene) Interkomprehension zum Albanischen zu verstärken. Dabei soll versucht werden zu überprüfen, ob eine didaktische Perspektive auch auf die albanischsprachige Gruppe anwendbar ist.
    • 18:15 Präsentation von im Verlauf befindlichen Forschungsarbeiten:
      - Dr. E. Conforti PhD (Univ. della Calabria): Ausarbeitung orthographischer Systeme für das Arbëresh und der kulturelle Einfluss des lateinischen und griechischen Modells
      - Dr. M. Pellegrino PhD (Brunel University, London): Language ideologies, practices and policies in the case of Griko
  • 19:00 Discussion, results
  • 19:30 Dinner

Participants:

Prof. Dr. Walter Breu (Uni Konstanz)
Dr. Emilia Conforti, Post-doc (Univ. della Calabria)
Prof. Dr. Franco Finco (Pädagogische Hochschule Kärnten, Klagenfurt)
Prof. Dr. Monica Genesin (Univ. del Salento)
Dr. Francesco G. Giannachi (Univ. del Salento)
Dr. Christoph Giesel (Uni Jena)
Dr. Gerhard Hempel (Univ. del Salento)
Dr. Concha Höfler (Frankfurt/ Oder)
Prof. Dr. Thede Kahl (Uni Jena)
Prof. Dr. Paola Leone, (Univ. del Salento)
Prof. Dr. Dejan Matić (Uni Münster, Uni Graz)
Dr. Joachim Matzinger (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien)
Andreea Pascaru, MA (Uni Jena)
Dr. Manuela Pellegrino, Post-doc (Brunel Univ., London)
Dr. Maria Luisa Pignoli (Univ. Côte d’Azur, Nice)
Dr. Malinka Pila (Uni Konstanz)
Prof. Dr. Elton Prifti (Uni Mannheim)
Dr. Luana Rizzo (Univ. del Salento)
Dr. Aleksandra Salamurović (Uni Jena)
Prof. Dr. Lucija Šimičić (Sveučilište u Zadru)
Prof. Dr. Fiorenzo Toso (Univ. di Sassari)

Organisation: Thede Kahl (thede.kahl@oeaw.ac.at) and Francesco G. Giannachi (francesco.giannachi@unisalento.it)

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Zeitraum: 05.03.2018 18:00 Uhr - 08.03.2018 11:00 Uhr