Friedrich-Schiller-Universität Jena

Utopie im postutopischen Zeitalter

Forschungsprojekt:
Die Utopie im postutopischen Zeitalter. Gesellschaftskritik und Gattungsinnovation im zeitgenössischen russischen Roman

Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit:
01. 10. 2011 - 31. 03. 2016
Unterbrechung vom 01.04.2013 bis zum 30.09.2014 wegen Vertretungsprofessur des Projektmitarbeiters in Leipzig

Projektleitung:
Prof. Dr. Andrea Meyer-Fraatz

Projektmitarbeiter:
Dr. Andreas Ohme (100%)

Wissenschaftliche Hilfskraft:
Barbara Schacht M.A.

Projektbeschreibung:

Das Forschungsprojekt untersucht anhand theoretisch fundierter Einzelanalysen von gesellschaftspolitisch brisanten Texten der russischen Gegenwartsliteratur die jüngsten Entwicklungen der utopischen Schreibweise. Dabei lautet die Ausgangshypothese, dass die literarische Gattung der Utopie, in deren Zentrum der Entwurf idealer bzw. abschreckender Gemeinwesen (Eutopie bzw. Dystopie) steht, auf die in verschiedenen soziologischen Zeitdiagnosen konstatierte zunehmende Delegitimierung des Staatsgedankens reagiert.

Auf der Basis eines durch strukturelle und thematische Kriterien klar umgrenzten Korpus russischer Romane will das Forschungsprojekt deshalb die Fragen beantworten, welche Rolle die Idee staatlicher Ordnung in der zeitgenössischen Literatur noch spielt, welche Alternativen für die Organisation menschlicher Gemeinwesen gegebenenfalls imaginiert werden und welche Ausdrucksformen dabei in Anknüpfung an bzw. in Abgrenzung von den Gattungskonventionen der literarischen Utopie ausgebildet werden.

Berücksichtigt werden hierbei die relevanten soziologischen Arbeiten, die einschlägige gattungstheoretische Forschung sowie die formensprachliche Traditionsbildung. Als Untersuchungsgegenstand ist gerade die russische Literatur in doppelter Weise prädestiniert. Zum einen wird im Zerfall der Sowjetunion die Delegitimation des Staates und das "Ende der Utopie" mit Händen greifbar, zum anderen verfügt die russische Literatur über eine lange (anti-)utopische Tradition, an die aber erst nach dem Einsetzen der Perestrojka wieder angeknüpft werden konnte.