Südosteuropastudien (BA, MA, PhD)

Warum Südosteuropastudien?

Die Südosteuropastudien stellen eine Regionalwissenschaft dar, die sich interdisziplinär mit der Erforschung der Länder, Völker, Kulturen und Sprachen Südosteuropas beschäftigt. Dieses umfasst im einzelnen Rumänien, die Moldau, Bulgarien, Griechenland, Albanien und die aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangenen Staaten bzw. politischen Einheiten Serbien, Kosovo, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien und die Republik Makedonien. Der Westen des Schwarzen Meeres, das Marmara-Meer, das Ägäische Meer, das Ionische Meer und das Adriatische Meer sind somit die maritimen Begrenzungen dieser Region, die im Norden an Italien, Österreich, Ungarn und die Ukraine grenzt. In Jena werden auch die sich an dieses Kerngebiet anschließenden Länder Ungarn, Türkei und Zypern, der ukrainische Teil Bessarabiens sowie albanische und griechische Sprachgebiete in Italien mit einbezogen.

Es gibt viele Gründe, sich für Südosteuropa zu interessieren:

  • Südosteuropa ist eine faszinierende Region. Antike und Mittelalter, Ost- und Westkirche, Islam und Judentum haben hier kulturelle Spuren hinterlassen. Nirgendwo in Europa ist eine vergleichbare Sprachenvielfalt zu finden. In Südosteuropa sind Werke der Weltliteratur und weithin bekannte Werke der Musik entstanden. Verschiedenartige Landschaften und Kulturen treffen hier aufeinander.

  • In der Geschichte ist Südosteuropa teils gegen den Willen seiner Bevölkerung zum Einflußbereich verschiedener Mächte gemacht worden. Der Kampf derselben untereinander sowie zwischen ethnischen, religiösen und politischen Denominationen in Südosteuropa selbst wurde leider nicht selten mit Krieg und Gewalt ausgetragen. Heute gilt es, hieraus Lehren für ein tragfähiges Miteinander zu ziehen.
  • In Verbindung mit dem Zerfall des sozialistischen Staatensystems, zu dem bis ca. 1990 ein großer Teil Südosteuropas einschließlich Jugoslawiens zählte, haben sich in diesen Ländern in den letzten Jahrzehnten Umbrüche vollzogen, die mit der Etablierung neuer politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Gegebenheiten und Prioritäten einhergegangen sind. Die postsozialistischen Länder Südosteuropas zeigen ein spannungsreiches Wechselverhältnis zwischen Eigenständigkeit und neuen Bindungen bzw. Abhängigkeiten.

  • Südosteuropa verändert sich rasant und tiefgreifend. Was sind Nutzen und Schaden dieser Veränderungen, und für wen? Die EU-Erweiterung sowie der Aufbau tragfähiger staatlicher Strukturen und einer aktiven Zivilgesellschaft stellen die Politik vor erhebliche Herausforderungen.

  • Deutschland und Südosteuropa sind politisch, wirtschaftlich und kulturell eng miteinander verflochten und können auf eine lange gemeinsame Geschichte in diesen Bereichen zurückblicken. Gleichzeitig leben als ein Ergebnis verschiedener Migrationsprozesse nicht wenige Menschen in Deutschland, die ihre Wurzeln in Südosteuropa haben.
  • Südosteuropäische Kultur gehört zum europäischen Alltag, das gilt für den Bereich des Tourismus ebenso wie z.B. Balkanmusik, Kulinarisches wie Kebab, Ćevapčići oder Gyros oder auch die Vampir-Faszination der Popkultur.

Wer diese Phänomene und Entwicklungen verstehen will, muss in komplexen Zusammenhängen denken können. Die Jenaer Südosteuropastudien vermitteln deshalb Kompetenzen in mehreren Fachbereichen. Kerndisziplinen sind die Südslawische und Rumänische Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft sowie die Osteuropäische Geschichte. Weitere wichtige Schwerpunkt bilden die Politikwissenschaft und die Religionswissenschaft. In das Spektrum der Jenaer Südosteuropastudien fließen die Nationalismus- und Ethnizitätsforschung sowie Fragestellungen und Methoden der Europäischen Ethnologie und Sozialanthropologie ein. 

Die Jenaer Südosteuropastudien erschließen den kulturellen Reichtum dieser Region und ermöglichen ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis aktueller Transformationsprozesse. In Jena erhalten Sie eine solide Ausbildung in mindestens einer der Sprachen Bulgarisch, Serbisch / Kroatisch und Rumänisch (in diesen Sprachen besteht das umfassendste Lehrangebot) und hiermit kombiniert oder insbesondere im Bachelor-Ergänzungsfach auch ausschließlich Albanisch, Neugriechisch, Türkisch und Ungarisch. Wenn Sie ein Studium der Südosteuropastudien absolviert haben, sprechen Sie mindestens eine Sprache der Region, verfügen über ein solides historisches Orientierungswissen, erkennen politische Zusammenhänge und finden sich in der Alltagskultur zurecht.

Warum Jena?

Wenn Sie sich für ein Studium der Südosteuropa in Jena entscheiden, profitieren Sie von der einzigartigen Jenaer Forschungslandschaft. An der Friedrich-Schiller-Universität ist die deutschlandweit einzige Professur für Rumänische Sprache und Literatur angesiedelt, außerdem ist die Südslawistik durch eine eigene Professur vertreten. An kaum einer anderen Universität können Sie Lehrveranstaltungen zur Sprache, Kultur, Geschichte und Politik der Region in dieser Breite belegen. Die Friedrich-Schiller-Universität pflegt zahlreiche Kontakte zu Partneruniversitäten in der Region, an denen Sie Abschnitte Ihres Studiums absolvieren können.